Aus dem Leben von Frau S.

Prinzen und Rabauken April 3, 2008

Gespeichert unter: erstes mal, schule — monischroeder @ 4:00 Uhr nachmittags

Wovon ich in der Osterferien nur geträumt habe, erfahre ich nun wieder in der harten und vielseitigen Realität. Mein Beruf führt mich in tiefe Täler und schöne Höhen, vorbei an Hass und Liebe, Richtung Selbstzweifel und Bestätigung.

Kein Wunder geht das Jahr wie im Schnelldurchlauf vorbei. Ich kann gar nicht von allem erzählen, was ich in den letzten vier Schultagen seit den Ferien erlebt habe. Konflikte, Streitereien, Egoismus, Unverständnis, Einsamkeit. Manchmal komme ich mir vor wie eine alte Schallplatte: eine rasselnde, heisere Stimme wiederholt immer das Gleiche. Und nach fast zwei Jahren erlebe ich nun die ersten “richtigen” Erfolgserlebnisse. Menschen sind halt keine Dateien, an denen man die Veränderungen bereits nach einem Mausklick erkennt. Veränderungen passieren schleichend und das ist auch gut so.

Der ganze Stress mit den Grundschulempfehlungen in der 4.Klasse fällt so langsam von mir und den Schülern ab - es ist Zeit wieder etwas Spaß zu haben. Und den hatten wir heute zur Genüge. Ich glaube das Geheimnis liegt darin, sich den Blick für die herrlichen und motivierenden Kleinigkeiten zu bewahren, um nicht in Frust und Enttäuschung zu versinken. Nach vielen Zweifeln, ob ich den Blog an den Nagel hänge, habe ich mich heute fröhlichen Herzens dazu entschlossen, euch mal wieder einen Einblick in das Leben von Frau S. zu gewähren.

Eine weitere Folge aus der Reihe: Mein erstes Mal - heute: “Der Heiratsantrag”. Welche Vorstellung haben die Schüler davon? Die ganze Klasse schmiss sich vor Lachen weg, als ein sehr mutiger Schüler alias Martin Luther um die Hand Katharina von Boras anhielt, die in diesem heiteren Rollenspiel von mir verkörpert wurde. Ein Handkuss setzte dem Ganzen die Krone auf und brachte das “Lachfass” der Klasse zum Überlaufen. Was wäre denn Schule ohne solche Momente? Um diese nicht nur in meinem Blog festzuhalten, habe ich gestern mit meiner Kollegin beschlossen ein Klassentagebuch zu starten, das jeden Tag von einem Schüler betreut und beschrieben wird, das gleichzeitig als Abschlusszeitung der 4.Klasse fungieren soll. Ich denke, wir werden noch viele witzige Situationen notieren können, um sie zu unvergesslichen Erlebnissen zu machen.

Kennt ihr das auch? An manchen Tagen läuft es wie am Schnürchen, man ist motiviert und für Heldentaten bereit. So geht es mir seit den Osterferien - natürlich mit den handelsüblichen Zwischendepressionen. Die Ideen flutschen und mir werden regelrecht die Augen aufgetan, indem mir Dinge bewusst werden, die ich schnellstmöglichst in die Tat umsetzen möchte. Mehr Praxis, mehr Freude, mehr mit Herz und Hand. Heute haben wir im Atelierunterricht zwei Stunden pure Musikpraxis rund um das Thema W.A.Mozart umgesetzt und hatten einen Riesenspaß. Wen wundert es da, dass die Kinder mit einem breiten Grinsen den Unterricht verlassen? Freude am Tun, tolle Ergebnisse, gute Gemeinschaft - so etwas will ich öfter haben.

Ich schließe mit einem mutmachenden Gruß an alle, die mit Prinzen und Rabauken zusammen arbeiten: Habt sie lieb! Behaltet die schönen Momente und verlernt das Lachen nicht.

    

 

Hallo erstmal… Januar 16, 2008

Gespeichert unter: einfach ich — monischroeder @ 9:07 Uhr nachmittags

Manche mögen gedacht haben, ich hätte mich auf eine einsame Insel verkrochen, um mein erstes Buch zu schreiben. Die Überlegung, ich sei in einen Winterschlaf verfallen, ist dagegen gar nicht so schlecht. Aber leider auch nicht wahr. Denn wenn das wahr wäre, würde wohl jetzt an meiner Stelle ein müslifressendes Monster sitzen, das Milch liebt und Nanogramme, einen ganzen Samstag vertrödeln kann und dessen zu Herzen gehender Lieblingsroman gerade “Die Teerose” von Jennifer Donnelly ist. Ein Glück, dass keine Ähnlichkeit zu mir besteht. Auch wenn ich gerade sehr gerne früh zu Bett gehe, um zu schmökern oder um doch gleich nach der zweiten Seite einzuschlafen, bin ich keineswegs aus der Schreibszene verschwunden. Zu viel zu tun, lautet wohl die inakzeptable Ausrede. Nämlich damit, meinen aktuellen Lieblingsblog eines bisher unentdeckten Künstler mit Namen “Minimaus” zu lesen. Damit hätte ich mich wohl auch noch eine Zeit druchmogeln können, wenn da nicht gerade ein distanzloser Charmeur mit der Haarfarbe unseres Sofas (sorry!) auf demselben sitzen würde, nur um mir zu sagen, dass er zu meinen treusten Fans zählt. Das fordert also eine angemessene Reaktion. Hier ist sie - um in den Worten von Marius zu sprechen, von dem ich zum Glück keine CD besitze: “Ich bin wieder hier in meinem Revier. War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.”

So, Schluss mit dem Verstecki-Spielen, das in Pausen auf dem Grundschulpausenhof übrigens üble Konflikte auslösen kann - wer hätte das gedacht. Willkommen im Jahr 2008 mit dem Titelthema “Leben”. Was das Leben von Frau S. dieses Jahr zu bieten hat? Keine Ahnung! Aber ich bin guter Hoffnung - grins!

 

Ochsenhausen Oktober 21, 2007

Gespeichert unter: erstes mal, events, schule — monischroeder @ 6:42 Uhr nachmittags

…ein Ort mit Charme, klösterlicher Kälte (Hilfe, ich habe meinen Wollpulli veregssen) und tollen Ideen. Außerdem ein Ort, an dem ich dieses Wochenende auf einer Fortbildung eine begeisterungsfähige Frau mit Ausstrahlung und dem originellen Namen Friedhilde Trüün, sowie den charmanten, alten, und doch sehr jugendlich anmutenden Wiener Kurt Hofbauer erlebt habe. Alle Dinge, die ich im Studium über Stimmbildung und Chorleitung gelernt habe, wurde aus den hintersten Zimmern meines Gehirns herausbefördert und mit neuem Leben gefüllt. Stimmbildnerische Übungen mit Bildern verbinden war ein ganz wesentlicher Bestandteil des Seminars, das ich mit einer netten Refine (weibliche Form der Abkürzung von Referendarin, offiziell Lehramtsanwärterin) besuchte.  Unsere Autofahrt, wohl eher Gondelei, war begleitet von Stau, Schneefall, NicNacs, abgestandenem Sprudel und einer herrlichen Herbstkulisse am Bodensee, zu der ich nur folgendes sagen kann: besser als Kino. Aber wen interessiert schon die Autofahrt? Wir haben uns nach Herzenslust bewirten und mit guten Ideen füllen lassen, sodass mir einerseits auffällt, was in meiner Chor-AG bisher alles schief lief, ich auf der anderen Seite aber höchst motiviert bin, alle guten Ideen sofort umzusetzen. Als Gutenacht-Lektüre befasste ich mich mit dem Buch von Dreikurs: Lehrer und Schüler lösen Disziplinprobleme und komme mir gerade wie jemand vor, dem die Schuppen förmlich von den Augen gefallen sind. So viele Ideen müssen vom Gehirn ins Herz durch die Hand ins Leben. Ich werde dann jetzt wohl noch etwas für die Schule morgen vorbereiten, bis mein Gatte nachher mit quietschenden Reifen vor der Wohnungstür haltmacht, um sich daraufhin beim Formel-1-Rennen von dem letzten Vaterhaus-Kongress diesen Jahres zu erholen. Bleibt mir nur noch zu sagen, dass man so viele Eindrücke am Besten im Schlaf verarbeitet. In diesem Sinne: Gute Nacht!

 

Ein Freund, ein guter Freund… Oktober 13, 2007

Gespeichert unter: beziehung, einfach ich, frauen — monischroeder @ 9:33 Uhr nachmittags

…das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund auch wenn die ganze Welt zusammenfällt. Drum sei auch nie betrübt, wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt. Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz den’s gibt.

Ich höre die Melodie dieses alten Schlagers förmlich in den Tiefen meiner Ohrmuschel. Ich erinnere mich an zum Thema passende Erlebnisse der letzten Tage und Wochen…

Freundschaft ist ein Teil meines Lebens so lange ich denken kann. Ich gehörte schon immer zu der treuen Sorte. Immer dann wenn mich eine Freundin hängen gelassen, hintergangen oder gar verlassen hat, hat mich das tief getroffen. Irgendwann bin ich aus meiner rosaroten Welt aufgewacht und habe in meiner von Naivität geprägten Teenagerzeit gemerkt, dass jeder auch seine Fehler hat und dass nicht jeder dasselbe Verständnis von Freundschaft hat wie ich. Wenn jemand meine selbstgebastelten Geschenke nicht wertschätzte oder auf meine romanartigen Briefe nicht mit Ähnlichem reagierte, kam ich mir immer wie jemand vor, der ständig investiert ohne etwas zurückzubekommen. Als ich 16 Jahre alt war und einige Freundschaften in der Schule zerbrachen, bat ich Gott in einem mädchenhaften Gebet um die beste Freundin. Leider habe ich mit ihr heute keinen Kontakt mehr, da ich der Auffassung war, dass man in Freundschaften auch Dinge zur Sprache bringen darf, die im Leben des anderen nicht so glücklich laufen. Dafür hat mir Gott aber viele andere Menschen über den Weg geschickt - manche nur für einen bestimmten Lebensabschnitt manche für das ganze Leben. Diese Lebensweisheit sagte mir meine Freundin Karo bereits vor Jahren, als wir im Zug, von einem Freizeitnachtreffen nach Hause fahrend, über damals bestehende Freundschaft philosophierten. Nach der Schule gab es Zeiten, in der ich Bekanntschaft mit einer Horde Menschen schloss, diejenigen die zu Freunden wurden, kann ich an einer Hand abzählen. Manche Freundschaften wurden aus der Not heraus geschlossen, manche fand ich in der eigenen Familie, manche begannen mit einem simplen Arbeitsverhältnis, manche waren Liebe auf den ersten Blick, aber egal wo und wie sie geschlossen wurden - dass es sie gibt ist eine Sache von Hingabe, von Herz ausschütten und sein Innerstes nach Außen kehren.

Nicht abwarten, sondern Initiative ergreifen - Nicht geizen, sondern verschwenderisch sein mit Liebe - Nicht warten, bis sich die Geben-Nehmen-Waage ins Gleichgewicht bringt, sondern geduldig auch in Durststrecken weiter investieren - Nicht große Erwartungen an den anderen haben, sondern sich selbst geben, ist meines Erachtens der einzige Weg zu wahrer Freundschaft.

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Das schnelle Leben Oktober 7, 2007

Gespeichert unter: einfach ich, meine rede — monischroeder @ 6:42 Uhr nachmittags

Krasse Sache.

Schaute mir gerade meine Blog-Statistik an und verfiel in tiefe Trauer, da anscheinend alle Welt besseres zu tun hat als meinen Blog zu lesen (*träller* kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich…). Auf der anderen Seite lese ich auf vielen Blogs keine neuen Einträge mehr, was mich zu der Überlegung kommen lässt, welches Motivationstier gerade am Drücker ist - der Schweinehund oder der Bock? Vielleicht auch der Siebenschläfer, weil man sich seit Neustem sieben Tage in der Woche vermehrt aufs Ohr hauen muss (aua!), um sich von der vielen Arbeit zu erholen. Geht zumindest meiner Wenigkeit so. Wenn man nur noch damit beschäftigt ist von einem Termin zum anderen zu hetzen oder jedem Trend hinterher zu jagen (heut ICQ, morgen der Blog und übermorgen das studivz), dann brauche man sich nicht wundern, wenn plötzlich schon wieder Weihnachten ist. Apropos Weihnachten: obwohl wir auch schon die ersten Aldi-Lebkuchen im Schrank liegen haben (neben den Schoko-Weihnachtsmännern vom letzten Jahr), bekomme ich die Oberkrise, wenn Anfang September bereits das ganze Weihnachtssortiment im Supermarkt aufgebahrt wird, obwohl der Sommer noch in vollem Gange ist. Wahrscheinlich deshalb, weil im November und Dezember alle Welt schon so in den vorweihnachtlichen Shoppingrausch gezogen wurde, dass zum Lebkuchenessen gar keine Zeit mehr bleibt.

Je älter ich werde, umso mehr habe ich den Eindruck, dass die Zeit schneller vergeht. Habe in den letzten Wochen die ersten Kapitel des Buchs “Leben mit Vision” gelesen und bin zu der umwerfenden und grandiosen Erkenntnis gekommen, dass es damit zusammenhängt, wie ich meine Zeit fülle. Gerade wenn ich denke, das Leben rast an mir vorbei, muss ich überlegen, ob ich mein Dasein mit den richtigen Dingen fülle. “Work-Life-Balance” heißt ein Begriff aus dem Buch “Wenn du es eilig hast, gehe langsam”. Gerade heute habe ich überlegt, mit was ich eigentlich meine vergangenen fünf Ehejahre zugebracht habe. Einserseits ist es schön, das Gefühl zu haben, man hätte erst gestern den Weg zum Traualtar beschritten, andererseits ist es erschütternd zu realisieren, dass ich tatsächlich schon so lange im Hafen der Ehe verweile.

Es ist Zeit vom Gas zu gehen und mal wieder einen Blick aus dem Fenster zu werfen!

 

Anstandsdame Oktober 1, 2007

Gespeichert unter: liebes tagebuch, meine rede — monischroeder @ 4:34 Uhr nachmittags

1.Oktober 1994:

“Heute abend war Knigge-Abend mit Anstandsregeln und so. Echt cool. Claudia, Heike, Carolin und ich machen voll den Scheiß. Wir unterhalten uns grad über Jungs…”

Auszüge aus meinem Leben, das sich heute vor genau 13 Jahren mit Knigge und Jungs beschäftigte. Ort der Handlung: eine Wochenendfreizeit auf der Eichelsbacher Mühle. Keine Ahnung mehr, wo das genau liegt.

Genauso wenig Ahnung beweisen viele Menschen beim Thema Knigge. Wusstest du, dass das Buch eigentlich “Über den Umgang mit Menschen” heißt und von einem gewissen Adolph Freiherr von Knigge verfasst wurde? Wusstest du, dass das Buch nicht geschrieben wurde, um Benimmregeln bei Tisch zu lehren, sondern um den Bürgern im 18. Jahrhundert zu helfen, sich bei Hofe zurecht zu finden?

“Handle selbständig! Verleugne nicht Deine Grundsätze, Deinen Stand, Deine Geburt, Deine Erziehung; so werden Hohe und Niedere Dir ihre Achtung nicht versagen können.”

Wenn ich ehrlich bin, habe ich gerade selbst erst durch minimalistische Nachforschung erfahren, worum es bei Knigge wirklich geht, nämlich den Umgang mit anderen Menschen, mit sich selbst, Eltern, Kindern, Blutsverwandten, Eheleuten, Verliebten, Hauswirten, Nachbarn - Leute mit verschiedenen Gemütsarten, Temperamenten, Stimmungen des Geistes und Herzens.

In manchen Situationen wäre es nicht schlecht so einen Ratgeber zur Hand zu haben, am besten gleich eine ganze Ladung voll, um ihn an Leute zu verschenken, die vergessen haben, wie man sich benimmt. Ein Blick in die Bibel wäre da auch nicht verkehrt: Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. (Matthäus 7,12).

Ach, manchmal da stehe ich so neben mir und höre Worte aus dem eigenen Mund sprudeln, die besser nie den Mund verlassen hätten. Manchmal da beobachte ich Menschen und rege mich über ihr mangelndes Feingefühl und ihren rücksichtslosen Egoismus auf. Manchmal da komme ich mir vor wie eine Anstandsdame, die die Welt zu verbessern versucht (”Karl-Egon, wir lassen unser Gegenüber aussprechen und fallen ihm nicht ins Wort”), nur um abends mal wieder frustriert ins Bett zu plumpsen um festzustellen, dass mein Idealbild vom Zusammenleben der Menschheit nun mal nicht der Realität entspricht. Ich kann bei mir selber anfangen und meine eigene Anstandsdame sein. Und wahrscheinlich ist genau das der Schlüssel zu allem: sich selbst verändern, statt ständig am anderen herumzudoktern. Ganz nach dem Motto: “Warum kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen?”

 

Ansichtssache September 19, 2007

Gespeichert unter: frauen, liebes tagebuch, schule — monischroeder @ 7:29 Uhr nachmittags

13. September 1994

“Onkel G. und Tante L. sind heute leider wieder nach Hause gefahren. Wir haben Sozi geschrieben, aber nur über das, was ich nicht konnte. Die Hälfte waren sechser. Ich hab ne drei. Find ich echt gut.

Es war Elternsprechtag. Als Klassenelternsprecher sind Frau B. und Frau W. gewählt worden. Papa wollte sich nicht aufstellen lassen, weil er schon so viel um die Ohren hat. Alle haben sich bei Frau S. über den Unterricht beschwert. Ist ja auch eine reine Zumutung, wenn man sich im Unterricht von heute auf morgen umstellen und selbst mitschreiben muss. Ich find das echt zu schwer. Am Donnerstag will sie eine HÜ schreiben. Na toll! Hoffentlich erklärt sie das ganze noch einmal. Morgen schreiben wir Chemie. Hab überhaupt keine Lust dazu. Aber mich fragt ja mal wieder kein Mensch.”

Auch wenn dieser Eintrag auf den ersten Blick nach nichts ausschaut, ist er auf den zweiten Blick umso gehaltvoller. Erinnert mich irgendwie an die große Liebe. Ich weiß, typisch Frau: denkt nur an Liebe und vollzieht einen Gedankensprung nach dem anderen. Sie sind schon in jungen Jahren sehr sprunghafte Wesen (wenn mein Körper so viel durch die Gegend hüpfen würde, wie meine Gedanken, wäre ich echt durchtrainiert) und führen selten einen Gedankengang zu Ende. Stattdessen ist alles Erleben so wichtig und relevant, so dass man es einfach schriftlich festhalten muss.

Nun gut. Zurück zum Ausgangspunkt.

Schüler sind schon arme Wesen: Sie müssen viel lernen, mit den Lehrern auskommen, schlechte Noten verarbeiten, sich auf viel Neues einstellen und eine stetige Unlust im Hinblick auf die Schule ertragen. Der Lehrkörper vertritt stattdessen die Meinung, dass Schüler das Privileg haben, lernen zu dürfen und mit einem selbst den wohl besten Pauker erwischt zu haben; sie müssen ermutigt, zur Selbständigkeit erzogen und mit zahlreichen Spielchen, Ritualen und Methoden für den Unterricht hochgradig motiviert werden.

Was mich auf den Gedanken bringt, warum es eigentlich den Begriff “Lehrkörper” gibt. Es gibt schöne Lehrer und weniger schöne. Solche, die athlethisch über den Pausenhof hechten und andere, die dann doch lieber den Fahrstuhl nehmen. Organisierte, strukturierte, vergessliche und zerstreute gleichermaßen. Nichts was den Lehrer aus der Otto-Normal-Bevölkerung herausstechen ließe.

Kommen wir deshalb zu den eigentlichen Besonderheiten eines “Lehrkörpers”: Manchmal weiß die linke Hand nicht was die rechte tut, weil mindestens zehn weitere dazwischen arbeiten, um alle Arbeit gewissenhaft zu erledigen. Drei Augenpaare befinden sich an mehreren Orten gleichzeitig, um den Schüler das ständige Gefühl zu vermitteln, beaufsichtigt zu sein. Um die zwei Stockwerke vom Lehrerzimmer in die Klasse in noch schnellerem Tempo zu bewältigen, arbeiten zehn Beine im Gleichschritt. Eine Stimme so zart wie eine Elfe und so kräftig wie die eines Löwen tröstet und ermahnt. Die Möglichkeit zur Zweiteilung ist natürlich auch gegeben, damit man gleichzeitig unterrichten und Streit schlichten kann.

Dass ein Lehrer einen Halbtagsjob hat ist dann nur noch reine Ansichtssache. Denn warum am Nachmittag noch zur zweiten Schicht antreten, wenn man morgens schon an zwei Orten gleichzeitig gearbeitet hat?

 

Der Gott der dich trägt September 15, 2007

Gespeichert unter: meine rede — monischroeder @ 10:22 Uhr nachmittags

Willkommen zurück in der Realität. Nach 6 wunderschönen Wochen Sommerferien hat mich der Alltag härter getroffen als erwartet. Ich habe eine krasse Woche hinter mir: Unterricht, Teamsitzungen, Schüler, Eltern, Kollegen - diese Massen an Menschen trafen mich wie ein Schlag. Plötzlich liege ich nicht mehr in der gemütlichen Einsamkeit des Tessins, sondern muss meine Sinne wieder auf so vieles andere lenken.

Ende der Woche stand ein schwieriges Gespräch an. Keine Ahnung, was ich da reden sollte, wie ich meine Sicht der Dinge formulieren sollte… Trantütig schleppte ich mich also eines Abends zu Bett und hatte das Licht schon ausgemacht, da kam mir der Gedanke ich könnte vor meinem wohlverdienten Schlaf noch einen Blick in mein Andachtsbuch “Der Gott der dich trägt” werfen. Obwohl ich zum Werfen viel zu müde war (so wie jetzt zum Schreiben - gähn), habe ich einen Blick riskiert.

“Doch Mose erwiderte: Ach, Herr, ich habe dochnoch nie gut reden können, und auch seit du mit mir, deinem Diener sprichst, ist das nicht besser geworden. Ich bin im Reden viel zu schwerfällig und unbeholfen. Der Herr antwortete: Wer hat dem Menschen die Sprache gegeben? Wer macht die Menschen stumm oder taub? Wer macht sie sehend oder blind? Ich bin es, der Herr! Also, geh jetzt! Ich werde dir helfen und dir sagen, was du reden sollst.”

Da sage noch einer, Gott wäre nicht real. Krasse Rede. Krasser Trost…

 

14 Jahr - blondes Haar September 4, 2007

Gespeichert unter: liebes tagebuch — monischroeder @ 6:58 Uhr nachmittags

… und süße Bäckchen, wie sich in folgendem Eintrag zeigt, auf den ich gestoßen bin, nachdem ich mein mit naiven, romantischen Gedanken gefülltes Teenie-Tagebuch zu Tage gefördert habe, um eine kleine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen:

“… hat gesagt, dass ich so schöne runde, dicke Backen habe (Anm. der Redaktion: ich war mit 14 Jahren nicht dick!) und dass ich, wenn ich jetzt noch keinen Freund habe, auf jeden Fall einen finde, weil ich mit meinen Backen so süß aussehe. Noch nie oder selten hat mir jemand so etwas nettes und schönes gesagt. Die anderen nörgeln und müssen immer etwas an mir aussetzen. Aber an das möchte ich jetzt nicht denken: ich freue mich lieber darüber, dass mir Gott solch schöne Backen geschenkt hat.”

Eigentlich peinlich und doch sehr cool! Und eine witzige Aktion für den Abend: Du verspürst Langeweile beim abendlichen Couching? Dir fehlt die entsprechende Unterhaltung? Du hast ein “uraltes” Tagebuch im Schrank? Dann riskiere es und lass andere an deinem Leben teilhaben, das schon vor Jahren mit mühevoller Schreibarbeit zu Papier gebracht wurde. Lach dich kaputt, bis du unter dem Tisch liegst und entdecke schlichte, aber göttliche Wahrheiten, zum Beispiel tiefe Dankbarkeit für die kleinen Begebenheiten des Lebens, die dich zu einem einzigartigen Erdenbewohner machen.

 

Ferien - die schönen Dingen des Lebens August 24, 2007

Gespeichert unter: einfach ich, meine rede — monischroeder @ 10:01 Uhr vormittags

Nach drei wunderschönen Wochen “Sommerurlaub” folgen nun drei Wochen “unterrichtsfreie Zeit”. Nun, bleiben wir noch eine Weile bei ersterem - zumindest in Gedanken, denn die Realität kommt schneller als man denkt.

Teenstreet war mal wieder der Hammer. Wer nicht dabei war, hat echt was verpasst. Worship und Anbetung mit rund 3000 Jugendlichen und solchen, die dem nähernden Zeitalter der Dreißigjährigen entgegenwirken wollen, indem sie sich mit ganz vielen Jugendlichen umgeben. Außerdem ganz viel Zeit mit Gott, um das letzte Jahr Revue passieren zu lassen und sich auf den auszurichten, der Leben in Fülle verspricht.

Schönheit in Hülle und Fülle haben wir im Tessin entdeckt - vor ein paar Wochen hätte ich den genauen Ort dieses schönen Fleckchens Erde nicht bestimmen können. Treggia, ein Ort oberhalb des Luganer Sees hat mich verzaubert und 10 Tage in eine totale Entspannung entführt. Mit dem Motorboot sind wir in netter Begleitung über den Luganer See gedüst - zugegeben hat sich weibliche Besatzung zu Beginn etwas geziert, woran das Kind im Manne keine unwesentliche Rolle spielte, aber das ist schnell vergessen. Spaghetti à la Xandry war ein krönender Abschluss unserer Urlaubstage, die mit faulenzen, lesen (Francine Rivers), rätseln (Sudoku, Nonogramme,…), dem hauseigenen Swimmingpool und kurzen Abstechern in den örtlichen coop verbracht wurden. Wir kommen wieder!

Während mein Mann zusammen mit vielen kinderlieben Jugendlichen für diese Woche auszog, um das beste Kinderferienprogramm “Kunterbunt” auf die Beine zu stellen, das Neuenburg je gesehen hat, kämpfe ich mit meiner Anstriebslosigkeit in Sachen Büro aufräumen und lasse mich treiben. Dabei mahnt mein Gewissen: Zeit ist ein Geschenk - gehe sinnvoll damit um. Wer zuviel davon hat, neigt dazu sie zu verplempern und sinnlos vertreichen zu lassen. Es ist Zeit, das Leben mit schönen Dingen zu füllen und Zeit mit dem Gott zu haben, der Leben in Fülle verspricht, gerade in Zeiten der Lustlosigkeit. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn…äh…Büro!