Prinzen und Rabauken April 3, 2008
Wovon ich in der Osterferien nur geträumt habe, erfahre ich nun wieder in der harten und vielseitigen Realität. Mein Beruf führt mich in tiefe Täler und schöne Höhen, vorbei an Hass und Liebe, Richtung Selbstzweifel und Bestätigung.
Kein Wunder geht das Jahr wie im Schnelldurchlauf vorbei. Ich kann gar nicht von allem erzählen, was ich in den letzten vier Schultagen seit den Ferien erlebt habe. Konflikte, Streitereien, Egoismus, Unverständnis, Einsamkeit. Manchmal komme ich mir vor wie eine alte Schallplatte: eine rasselnde, heisere Stimme wiederholt immer das Gleiche. Und nach fast zwei Jahren erlebe ich nun die ersten “richtigen” Erfolgserlebnisse. Menschen sind halt keine Dateien, an denen man die Veränderungen bereits nach einem Mausklick erkennt. Veränderungen passieren schleichend und das ist auch gut so.
Der ganze Stress mit den Grundschulempfehlungen in der 4.Klasse fällt so langsam von mir und den Schülern ab - es ist Zeit wieder etwas Spaß zu haben. Und den hatten wir heute zur Genüge. Ich glaube das Geheimnis liegt darin, sich den Blick für die herrlichen und motivierenden Kleinigkeiten zu bewahren, um nicht in Frust und Enttäuschung zu versinken. Nach vielen Zweifeln, ob ich den Blog an den Nagel hänge, habe ich mich heute fröhlichen Herzens dazu entschlossen, euch mal wieder einen Einblick in das Leben von Frau S. zu gewähren.
Eine weitere Folge aus der Reihe: Mein erstes Mal - heute: “Der Heiratsantrag”. Welche Vorstellung haben die Schüler davon? Die ganze Klasse schmiss sich vor Lachen weg, als ein sehr mutiger Schüler alias Martin Luther um die Hand Katharina von Boras anhielt, die in diesem heiteren Rollenspiel von mir verkörpert wurde. Ein Handkuss setzte dem Ganzen die Krone auf und brachte das “Lachfass” der Klasse zum Überlaufen. Was wäre denn Schule ohne solche Momente? Um diese nicht nur in meinem Blog festzuhalten, habe ich gestern mit meiner Kollegin beschlossen ein Klassentagebuch zu starten, das jeden Tag von einem Schüler betreut und beschrieben wird, das gleichzeitig als Abschlusszeitung der 4.Klasse fungieren soll. Ich denke, wir werden noch viele witzige Situationen notieren können, um sie zu unvergesslichen Erlebnissen zu machen.
Kennt ihr das auch? An manchen Tagen läuft es wie am Schnürchen, man ist motiviert und für Heldentaten bereit. So geht es mir seit den Osterferien - natürlich mit den handelsüblichen Zwischendepressionen. Die Ideen flutschen und mir werden regelrecht die Augen aufgetan, indem mir Dinge bewusst werden, die ich schnellstmöglichst in die Tat umsetzen möchte. Mehr Praxis, mehr Freude, mehr mit Herz und Hand. Heute haben wir im Atelierunterricht zwei Stunden pure Musikpraxis rund um das Thema W.A.Mozart umgesetzt und hatten einen Riesenspaß. Wen wundert es da, dass die Kinder mit einem breiten Grinsen den Unterricht verlassen? Freude am Tun, tolle Ergebnisse, gute Gemeinschaft - so etwas will ich öfter haben.
Ich schließe mit einem mutmachenden Gruß an alle, die mit Prinzen und Rabauken zusammen arbeiten: Habt sie lieb! Behaltet die schönen Momente und verlernt das Lachen nicht.











… und süße Bäckchen, wie sich in folgendem Eintrag zeigt, auf den ich gestoßen bin, nachdem ich mein mit naiven, romantischen Gedanken gefülltes Teenie-Tagebuch zu Tage gefördert habe, um eine kleine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen:
“… hat gesagt, dass ich so schöne runde, dicke Backen habe (Anm. der Redaktion: ich war mit 14 Jahren nicht dick!) und dass ich, wenn ich jetzt noch keinen Freund habe, auf jeden Fall einen finde, weil ich mit meinen Backen so süß aussehe. Noch nie oder selten hat mir jemand so etwas nettes und schönes gesagt. Die anderen nörgeln und müssen immer etwas an mir aussetzen. Aber an das möchte ich jetzt nicht denken: ich freue mich lieber darüber, dass mir Gott solch schöne Backen geschenkt hat.”